Meinungsfreiheit

Es heißt ja, mit dummen Menschen zu streiten, sei wie mit einer Taube Schach zu spielen: Egal, wie gut du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen. Mittlerweile fühlt sich für mich fast schon jede Diskussion mit so gut wie jeder Person so an – unabhängig von der Intelligenz.

Es waren ja in letzter Zeit einige Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Einige friedlich, paar gewalttätig. Kurz: Es waren viele Idio…pardon…Meinungen unterwegs.

TOLERIEREN SIE MEINE MEINUNG VERDAMMT!
Meinungen sind ja im Prinzip wie Arschlöcher – jeder hat eine bzw. eines. Anders als beim Darmausgang ist aber bei der Meinung auch noch scheinbar jeder davon überzeugt, dass es sich bei seiner bzw. ihrer um die einzig richtige handelt. Meinungsfreiheit interpretieren die meisten heute so: Ich darf meine Meinung sagen und diskriminieren wen ich will, aber jeder der mir widerspricht greift mich persönlich an. Tatsächlich bedeutet Meinungsfreiheit aber, dass ich die Meinung meines Gegenübers nicht nur scheiße finden, sondern dies auch sagen darf. Widerspruch gehört genauso zur Meinungsfreiheit wie Zustimmung. Bei diesem Missverständnis handelt es sich zwar um ein allgemeines Problem – bei politischen Diskussionen wird es nur meist am deutlichsten.

OHNE HIRN BELEIDIGT ES SICH VÖLLIG UNGEHEMMT
Das Interessante an jeder – ich nenne es mal vorsichtig Diskussion – die man in sozialen Medien führt, ist ja, dass die Leute hier auf jegliche Höflichkeit verzichten. Sobald man etwas sagt das ihnen nicht passt, hagelt es Beleidigungen. Übrigens ziehen politische Diskussionen zwar generell die meisten Trolle an, aber ich wurde schon von allen möglichen Leuten im Internet beleidigt – einfach weil ich eine andere Meinung habe: Von Hundebesitzern (ich habe Katzen), von Veganern (ich bin Vegetarierin), von Eltern (ich möchte, wenn es sich vermeiden lässt, keine Kinder in diese Welt setzen) und von iPhone-Fans (ich finde Apple scheiße). Das Problem dabei ist: Das Wort „Toleranz“ scheinen die meisten für ein Synonym für „Zustimmungszwang“ zu halten.

BITTE VERWIRREN SIE MICH NICHT MIT TATSACHEN
Eine Diskussion lebt von Meinungen. Wir führen aber keine Diskussionen mehr, sondern einen Stellungskrieg bei dem sich beide Seiten auf ihre Meinung setzen und sinnbildlich mit den Fingern im Ohr im Kreis drehen. Und um das noch zu untermauern, tut man sich nur mit Leuten zusammen die eine gleiche oder zumindest ähnliche Meinung haben und schreit alle anderen einfach nieder. Niemand käme auf die Idee, sich mit jemand zu unterhalten, der eine vollkommen andere Meinung vertritt als man selbst. Am Ende müsste man ja noch einen Irrtum zugeben – dann lieber von „alternativen Fakten“, „Lügenpresse“ und „den Studierten“ schwadronieren. Bloß nicht nachdenken, das könnte am Ende noch ansteckend sein.

DIE MORAL VON DER GESCHICHTE
Ich weiß, ich klinge arrogant. Höre ich öfter. Auf die Frage warum bekomme ich leider selten eine sinnvolle Antwort. Ja, ich prüfe und hinterfrage des Öfteren Quellen, macht ja auch am meisten Sinn. Und ja, ich spreche Sarkasmus fließend (ich nenne es auch gerne „verbale Selbstverteidigung“) und wieder ja, vielleicht macht mich all das arrogant.
Ich bin auch für diese Diskussion offen.