JÜDISCHER FRIEDHOF, PRAG

Dieser wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts angelegt. Auf diesem Friedhof wurde bis zum Jahre 1787 bestattet. Die bekannteste Persönlichkeit auf dem Alten Jüdischen Friedhof ist ohne Zweifel der große Religionsgelehrte und Pädagoge Rabbi Jehuda Liwa ben Becalel, bekannt unter dem Namen Rabbi Löw (er starb im Jahre 1609), mit dessen Gestalt auch die Legende um die künstlich erschaffene Gestalt Golem verbunden ist.

1478 wurde der Judengarten in der Prager Neustadt, der wahrscheinlich älteste der jüdischen Friedhöfe in Prag, durch König Wladislaw II. Jagiello geschlossen und der bereits bestehende Friedhof in Josefov wurde bis 1787 zur Hauptbegräbnisstätte der Prager Juden.
Der Friedhof entspricht bis heute nahezu seinen mittelalterlichen Ausmaßen, da es im Ghetto keine Erweiterungsmöglichkeiten gegeben hatte. Aus Platzmangel begrub man die Verstorbenen in bis zu zwölf Schichten, was mit den Jahrhunderten ein für heutige Begriffe fast malerisches Auf und Ab des Erdbodens zur Folge hatte.
Neben dem Friedhof befindet sich das Jüdische Museum, das ursprünglich von Adolf Eichmann bzw. seinem Referat als „Jüdisches Zentralmuseum“ während der deutschen Besatzung eingerichtet und am 6. April 1943 von der SS als „Museum einer untergegangenen Rasse“ eröffnet wurde. Hier sind zahlreiche Kultgegenstände und Bilder ausgestellt. Sie zeigen auch die Tätigkeit der Prager Beerdigungsbruderschaft und ihre soziale Funktion. Diese 1564 gegründete gemeinnützige Organisation führte rituelle Beerdigungen durch, widmete sich aber auch karitativer Gemeindearbeit. Das Museum verwaltet auch diesen Friedhof.
Oft besucht wird auch der Nephele-Hügel, wo man Kinder bestattete, die weniger als ein Jahr alt wurden. Viele Grabsteine sind mit Tieren oder Gegenständen verziert, die den Familiennamen symbolisieren: die Schere (für Schneider), ein Hirsch (auch für Familie Zvi), Löwen, Blumen und oft auch Trauben als Symbol für Glück.
Als auch in Prag die Begräbnisse in der Innenstadt durch Kaiser Joseph II. verboten wurden, ging die jüdische Gemeinde 1787 dazu über, ihre Toten auf dem Friedhof im Stadtteil Žižkov beizusetzen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde schließlich in der Ortslage Olšany des Stadtteils Žižkov eine kommunale Nekropole für Prag geschaffen. Unmittelbar daneben erwarb die jüdische Gemeinde ein über 100.000 m² großes Grundstück und legte dort 1890 den neuen Friedhof mit Platz für ungefähr 100.000 Grabstätten an, der noch heute genutzt wird.
Der Alte Jüdische Friedhof enthält 12000 Grabsteine, Überreste wurden hier aber deutlich mehr beigesetzt. Viele Grabsteine sanken tief in die Unterschichten ein und weitere vor allem Holzgrabmale gingen im Laufe der Zeit kaputt. Weil religiöse Traditionen den Juden untersagen, alte Gräber zu handhaben und das Grundstück den Bedürfnissen nicht mehr genügen konnte, wurden auf den Friedhof immer wieder neue Schichten Erdboden gefahren und die alten Grabsteine in höhere Schichten gehoben, wodurch sich vielleicht bis zu 12 Schichten übereinander anhäuften und an vielen Stellen entstand die charakteristische Ansammlung von Grabsteinen aus verschiedenen Jahrhunderten nebeneinander. Um den Friedhof kümmerte sich über ganze Jahrhunderte lang die Prager Bestattungsbruderschaft, die auch mit der systematischen Aufarbeitung der Grabaufschriften begann.

Alle Fotos ©lotharillig
Text auszugsweise von wikipedia
Alter Jüdischer Friedhof (Prag)