Grabfeld

Grabfeld ist eine kreisangehörige Gemeinde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Im Gemeindegebiet leben etwa 5700 Einwohner. Die Gemeinde liegt im Süden von Thüringen und befindet sich direkt an der Landesgrenze zu Bayern. Grabfeld entstand am 1. Dezember 2007 aus dem Zusammenschluss der Mitgliedsgemeinden Bauerbach, Behrungen, Berkach, Bibra, Exdorf, Jüchsen, Nordheim, Obendorf, Queienfeld, Rentwertshausen, Schwickershausen, Wölfershausen, Wolfmannshausen.


Bauerbach gehört zu den ältesten Orten Südthüringens und wurde 882 erstmals urkundlich erwähnt. Unweit der Residenzstadt Meiningen gelegen, gehörte das Dorf im 18. Jahrhundert der reichsfreiherrlichen Familie von Wolzogen. Hier fand Schiller auf seiner Flucht vor Herzog Carl Eugen von Württemberg Asyl bei Baronin Henriette von Wolzogen. Schillers Andenken wird seit mehr als 100 Jahren in Bauerbach aktiv gepflegt. 1959 wurde das Naturtheater im einstigen Wolzog’schen Fohlengarten gegründet. Es ist damals aus einer Theater Laienspielgruppe hervorgegangen. Etwa die Hälfte der Dorfbevölkerung engagiert sich im Rahmen der Schillerpflege. Mit Aufführungen wie „Die Räuber“, „Wilhelm Tell“, „Kabale und Liebe“, aber in jüngster Zeit auch mehr und mehr Stücke anderer Autoren, haben sich die Bauerbacher einen Namen gemacht und überregionalen Bekanntheitsgrad erlangt.


BEHRUNGEN

Behrungen liegt in der Talaue des Baches „Bahra“, an der südwestlichen Grenze des Landkreises Schmalkalden- Meiningen, ca. 25 km südlich von Meiningen, 11 km von Römhild, 9 km von Mellrichstadt und 20 km von Bad Königshofen. Erstmalig wurde der Ort unter dem Namen „Villa Pahringe“ im Jahr 795 erwähnt.

Die vielen schönen und gut erhaltenen Fachwerkhäuser geben dem Ortskern ein besonderes Gepräge. Kirche, Rathaus und Schule (ehemaliges Amtshaus der Kellerei Behrungen) setzen besondere Akzente. Der gesamte Ortskern und die Dorfanlage innerhalb eines befahrbaren Rundweges stehen unter Denkmalschutz. Behrungen, das im Grenzgebiet der ehemaligen DDR lag, unmittelbar an der deutsch-deutschen Grenze, besitzt heute noch bauliche Zeitzeugen, wie einen Grenzturm, ein Stück Grenzzaun und eine Holzbaracke, die als Unterkunft der Grenzpolizei diente. In der Abgeschiedenheit des Grenzstreifens haben sich wertvolle Biotope erhalten, in denen eine Vielzahl bedrohter Tier- und Pflanzenarten bisher überleben konnten. Das Naturschutzgebiet „Seeben“ mit seinen verschiedenen Vegetationsstrukturen und einer Vielfalt der Artenausstattung ragt in seiner Bedeutung weit über den Gemarkungsbereich hinaus.

Seit Jahren werden in Behrungen Pferde gezüchtet. Das Gestüt „Eschenhof“ ist nicht nur für Käufer und Züchter interessant, sondern bietet auch für Einheimische und Besucher ein abwechslungsreiches Programm. Eine vielseitige Vereinslandschaft hilft das kulturelle Erbe zu bewahren und bietet zahlreiche kulturelle Höhepunkte. Die Heimatstube des Ortes, mit seinen Ausstellungsstücken aus „Omas-Zeiten“, gibt nicht nur interessante Einblicke in das frühere Dorfleben, sondern vermittelt durch eine Präparationsschau Kenntnisse über die heimische Tierwelt. 1993 wurde Behrungen Landessieger des Freistaates Thüringen im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ und belegte im Bundeswettbewerb einen 2. Platz im Jahr 1995.


BERKACH

Der Ort Berkach liegt in einer sanft geneigten Hochmulde ca. 20 km von Meiningen entfernt, direkt an der Landesgrenze von Thüringen zu Bayern. Die unmittelbare Lage an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze hat den Ort entscheidend geprägt. Berkach wurde 783 erstmalig unter dem Namen „Percuhis“ urkundlich erwähnt und unterstand in seiner Geschichte einer Vielzahl von Herrschaften. Die Besitzungen wurden schließlich 1680 in drei Teile geteilt. Um 1807 wurde die Dreiteilung aufgehoben und Würzburg übernahm die Oberhoheit über ganz Berkach.

Die Größe des Ortes betrug seit 1810 gleichbleibend 400 bis 500 Einwohner. Berkach wird von seinen fast durchweg ländlichen Gehöften geprägt. Die evangelisch-lutherische Kirche liegt im Zentrum des Ortes und ist aus allen Richtungen weithin sichtbar. Sie überrascht den Besucher durch ihre stattlichen Ausmaße und sowohl durch die Schönheit der Malereien im Innenraum als auch die großzügige Gestaltung. Die älteste Jahreszahl, 1584, wurde bei Restaurierungsarbeiten im Altarraum sichtbar. Das Pfarrhaus gehört zu Berkach und Schwickershausen und wurde 1719 erbaut. Berkach verfügt über mehrere Zeugnisse jüdischen Lebens, wie das in Thüringen einmalige Ensemble bestehend aus Synagoge, Badehaus, Schule und Friedhof. Die Synagoge und die Judenschule an der Mühlfelder Straße wurden 1852 bis 1854 erbaut. Die Synagoge wurde 1990/91 als solche wieder hergerichtet und am 3. November 1991 unter Anwesenheit der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth feierlich wiedergeweiht.

Im Hinterdorf in der Poststraße steht das Badehaus, die Mikwe. Es wurde 1838 errichtet und 1990 restauriert. An der alten Behrunger Straße, gemäß jüdischem Brauchtums außerhalb des Ortes, liegt der gut erhaltene jüdische Friedhof. Viele Inschriften der Grabsteine sind noch gut lesbar. Die jüdischen Kulturstätten können jederzeit besucht werden. Berkach verfügt über ein schönes Gemeindehaus (ehemaliges Gutsgebäude) mit anschließendem Kultursaal, den die vier zur Zeit tätigen Vereine für ihre Veranstaltungen nutzen.


BIBRA

Im Tal des gleichnamigen Baches, ca. 12 km südlich von Meiningen, liegt der ehemals reichsritterschaftliche Ort. Im Jahr 825 wurde Bibra das erste mal in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda urkundlich erwähnt. Durch Kaiser Friedrich III. wurde 1486 das Marktrecht verliehen, seitdem wurde in Bibra Markt betrieben. Das Geschlecht derer von Bibra mit seinen Wappenzeichen, dem Biber, hinterließ deutliche Spuren seines Wirkens. Der bedeutendste war der Domprobst zu Würzburg, Dr. Kilian von Bibra, der als Hauptstifter am 14. Juli 1492 den Grundstein für den Bau der repräsentativen Kirche St. Leo zu Bibra legte, in der sich bedeutende Tilman-Riemenschneider-Altäre befinden. Lange Zeit war das Geschlecht derer zu Bibra mit Würzburg und Franken verbunden. Lorenz und Konrad zu Bibra residierten als Bischof von Würzburg und Herzog von Franken.

Die wechselvolle Geschichte des Dorfes überstanden drei bedeutende Bauwerke: die Burg, das Untere Schloß und die Kirche. Das Untere Bibraer Schloß wurde 1558 erbaut und ist eines der schönsten aus Stein errichteten Wohngebäude aus der Zeit der Renaissance in dieser Gegend.

Noch immer bietet sich an erhöhter Stelle im Zentrum des Ortes die von Wallgraben und Mauern -teilweise noch mit Resten des ehemaligen Wehrganges versehen- umgebene und mit acht Türmen (vier Eck- und vier Mitteltürme) umwehrte Burg imponierend dar. In Bibra wirkte der revolutionäre Prediger Hans Hut als Kirchendiener, der 1524 Thomas Müntzer hier beherbergte und im Bauernkrieg von der Kanzel herab dazu aufforderte „alle Oberkait totzuschlagen“.


EXDORF

Der Ortsteil Exdorf liegt im Westen der Gemeinde Grabfeld, im sanften Tal der „Jüchse“, die am westlichen Ortsrand vorbeifließt. Exdorf bildet zusammen mit dem Ortsteil Obendorf die Ortschaft Exdorf. Somit gibt es zusammen für beide Ortsteile einen Ortsbürgermeister und einen Ortschaftsrat. Bis zum Zusammenschluss der ehemaligen Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Grabfeld zur Gemeinde Grabfeld am 01.12.2007 war Obendorf ein Ortsteil der bis dahin selbstständigen Gemeinde Exdorf.

Erstmalig erwähnt wird der Ort 951 als „Heigesdorf“, als ein fränkischer Adliger namens Fricco der Reichsabtei Fulda Güter in „Heigesdorf“ schenkte. Das Dorf war Sitz eines nach ihm benannten hennebergischen Ministerialgeschlechtes, das sich von 1235 bis 1438 nachweisen lässt.

Um 1335 war die erste Erwähnung der Kirche in Exdorf, die 1730 grundlegend in Barockstil umgestaltet wurde und ihre heutige Form erhielt. Die Kirche mit ihrem mittelalterlichen wuchtigen Turm und der aufgesetzten Schweifkuppel steht unter Denkmalschutz.

Exdorf verfügt über eine Reihe von Baudenkmälern, die bemerkenswert sind. Einige Häuser verfügen über sehr schöne Fachwerkdetails, sowie Hofeingangsportale, die aus dem Spätmittelalter stammen. Kulturhistorische Schätze wie Fachwerkhäuser, Zeugnisse der Ur- und Frühgeschichte und reizvolle, naturnahe Wanderwege bietet das Gebiet in Hülle und Fülle.

Geselligkeit spielte eine große Rolle im dörflichen Leben früherer Zeiten. Heute bemühen sich die örtlichen Vereine, bestimmte Traditionen zu erhalten und die Geselligkeit zu fördern. So findet alljährlich Anfang September ein großes Trachtenfest statt.


JÜCHSEN

Jüchsen, der älteste Ort Südthüringens, 758 in einer Schenkung an das Kloster Fulda genannt, liegt im Muldental des gleichnamigen Baches. Mittelalterliche Namensformen sind 758 Gohhusa, 824 Juchiso, 857 Juchisa. Die älteste Ansiedlung dürfte siedlungsgünstig an der Trocken- und Wassergasse zu suchen sein. Dieser Platz ist einer der frühmittelalterlichen Siedlungskerne, aus denen der Ort zum großen Haufendorf zusammenwuchs. Jüchsen beging im Jahr 2008 seine 1250-Jahrfeier.

Mittelpunkt des Dorfes ist der Untere Tannenberg, der Kirchberg, mit dem Sitz des Herren von Jüchsen (1148 bis 1519), heute Platz der Grundschule. Nur einige Schritte davon entfernt befindet sich die St.-Peter-und-Pauls-Kirche (Neubau 1628 bis 1638) und die Alte Schule (1616), jetzt Museum.

Das 1997 neu eingerichtete Museum zeigt eine Vielzahl interessanter Exponate. Der Besucher bekommt genaue Einblicke in die Geschichte Jüchsens. Eine gelungene Textgebung und Auswahl der Exponate machen den Besuch für alle Geschichtsinteressierten zum Erlebnis. Besonderer Anziehungspunkt ist die an der Straße Jüchsen – Wachenbrunn gelegene landschaftlich reizvolle Widderstatt, einer der bedeutendsten vorgeschichtlichen Siedlungsplätze Südthüringens. Das an einer Quellmulde ausgebildete Siedlungsareal wird seit 8.000 v. Chr. von Menschen aufgesucht. Von hier aus kann man auf dem ausgeschilderten Keltenerlebnisweg Richtung Steinsburg (Römhild)  oder zum Dolmar wandern.

Südwestlich von Jüchsen, unweit der Straße nach Queienfeld, liegen zwei Wiesen von besonderem Wert: die Wirtswiese und die Graulache, die 1996 zu geschützten Landschaftsbestandteilen erklärt wurden. Ein besonderes Ereignis ist jährlich Anfang Februar die Lichtmeß, eine weit bekannte karnevalistische Großveranstaltung.


NORDHEIM

Nordheim liegt in einer flachen Senke, etwa 16 km von Meiningen entfernt. Die Flur durchläuft der Bach die „Grüne“. Im Volksmund „Nurde“ genannt, ist Nordheim einer der ältesten Orte im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Die erste urkundliche Erwähnung datiert nach einer Schenkung an das Kloster Fulda vom 6. März 774. Der im 9./10. Jh. noch mehrfach erwähnte Ort hatte als Mittelpunkt einer Mark gehobene Bedeutung. Nordheim bildete eine bedeutsame Mark, zu der Berkach, Einödhausen, Ober- und Unterharles, Bauerbach und Debertshausen gehörten.

Der Ort ist seinem Namen nach eine fränkische Siedlung und war Krongut des sächsischen Kaisers Otto I. Später waren die Herren von der Keer und von Stein die Grundherren, die eigene Gerichtsbarkeit ausübten. Erst 1808, als die Reichsritterschaft aufgehoben wurde, kam Nordheim unter die Hoheit von Sachsen-Meiningen. Ein Wappenschild am alten Kirchtor wies auf die Zugehörigkeit zum Meininger Territorium hin.

Nordheim ist ein Haufendorf und war schon im Mittelalter stark befestigt. Eine Ringmauer, die noch heute zum Teil zu erkennen ist, bildet mit einem Dorfgraben (Wallgraben) einigen Schutz. Drei Tore, die abends geschlossen wurden, führten in die Flur. Die Gebäude des Ortskerns sind zu 2/3 vor 1870 entstanden, fränkisches Fachwerk ist vorherrschend. Einige Fachwerkhäuser stehen unter Denkmalschutz, besonders auffällig ist die Kirche mit einer kostbaren Inneneinrichtung. Die Kirche wurde als Wehrkirche mit Kirchenmauer und dahinterliegenden Gaden erbaut. Das frühere Eingangstor der Wehrkirche und der Gaden sind heute noch erhalten. Schmuckstück Nordheims ist ohne Zweifel das Rat- und Backhaus mit dem herrlichen doppelseitigen Treppenaufgang, das im 18. Jh. erbaut wurde.

Ein liebevoll eingerichtetes Heimatmuseum dokumentiert in Bild und Wort die Geschichte Nordheims und der näheren Umgebung.


OBENDORF

Obendorf wurde 1307 erstmalig unter dem Namen „Obringdorf“ erwähnt. Im Ort wurde 1603 eine Kapelle für Taufgottesdienst erbaut und um 1843 erfolgte der Umbau zum Gemeindehaus mit Schmiede und Backofen.

1974 wurde Obendorf verwaltungsmäßig an die Gemeinde Exdorf angegliedert und bildete seither einen Ortsteil der Gemeinde Exdorf. Mit dem Zusammenschluss zur Gemeinde Grabfeld am 01.12.2007 bilden die beiden Ortsteile Exdorf und Obendorf zusammen die Ortschaft Exdorf und haben somit einen Ortsbürgermeister und einen Ortschaftsrat.

Im Jahr 2007 feierte der Ort das 700. Jubiläum seiner Ersterwähnung.


Erstmals wurde Queienfeld im Jahr 1057 als Quiunfelt erwähnt. Der Ort gehörte zunächst als Exklave zum Besitz des Hochstifts Würzburg in der Grafschaft Henneberg. Um 1100 stand auf dem 506 Meter hohen Queienberg eine der Jungfrau Maria gewidmete Kapelle, die bis Ende des 15. Jahrhunderts als Wallfahrtskapelle genutzt wurde. Heute noch erinnert ein Holzkreuz an deren Existenz. Ganz in der Nähe steht heute die „Queienberghütte“, ein beliebtes Ausflugsziel. Vom Gipfel des Queienberges hat man einen wunderschönen Ausblick. Aus den Steinen dieser Kapelle wurde zwischen 1719 und 1721 die Dorfkirche errichtet. Queienfeld liegt am Queienberg. Durch den Ort fließt die Bibra. Im Norden liegt der Thüringer Wald, südwestlich die Rhön.

Der Ort Rentwertshausen liegt auf einer sanften Anhöhe zwischen Bibra und Queienfeld. Nordöstlich erstreckt sich ein Kalkhöhenzug von Bibra bis Exdorf, nordwestlich begrenzt der Arnsberg den Ort. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1310 unter dem Namen „Rentewighusen“ (Behausung des Ritters Rentwig). Der Ortsname änderte sich im Laufe der Jahre: Reitwigshausen, Rentwigshausen, Reitwitzhusen, Rempershausen. Im Volksmund wurde der Ort „Remshausen“ genannt. Es gab schon zur damaligen Zeit ein Dorfzentrum, das im wesentlichen heute noch so existiert.

SCHWICKERSHAUSEN

Schwickershausen liegt im Bereich der östlichen Ausläufer der Rhön, am Westrand der Gemeinde Grabfeld, auf einem flach geneigten Südhang, unmittelbar an der Grenze zwischen Thüringen und Bayern.

Schwickershausen wurde unter den Namen Schwiggershusin 1187 erstmals urkundlich erwähnt. Das Rittergut „Schwiggershusin“ wurde 1333 von den Hennebergern an die Adelsfamilie Marschalk zu Wallbach verliehen, diese übergaben die Besitzungen an den Herren von Kehre. Im Großen Deutschen Bauernkrieg 1525 wurde das Schloss von den revolutionären Bauern abgebrannt. Jacob von der Kehre ließ 1540 auf den Grund der mittelalterlichen Kemenate mit dem Neubau des heute noch stehenden Wasserschlosses beginnen.

Während des 30jährigen Krieges starben 130 Einwohner an Seuchen und es herrschte in Schwickershausen und Umgebung eine große Hungersnot. Der Ort hat viele gut erhaltene Fachwerkhäuser im fränkischem Stil und ein im Hopfengarten befindliches Backhaus. Die im Ortszentrum gelegene Kirche wurde 1793 erbaut. Sie zeichnet sich durch ihre Schlichtheit aus. Bemerkenswert ist, dass im lichterfüllten Innenraum der Kirche Kanzel, Altar und Orgel eine Einheit bilden.

Auf dem Gelände der ehemaligen Grenzkompanie wurde 1994 ein modernes Alten- und Pflegeheim eröffnet. Im südwestlichen Teil des Ortes befindet sich ein idyllisch gelegener Stausee. Mit einer Größe von ca. 20 ha ist er nicht nur für Angler und Bootsfahrer interessant.


WÖLFERSHAUSEN

10 km südlich von Meiningen, eingebettet in das Bibratal liegt, 334 m (Ortsmitte) über NN, das schöne alte Straßendorf Wölfershausen.

In malerischer Landschaft, nördlich der Thüringer Wald, westlich die Rhön und südlich beginnt das Grabfeld, welches sich ins nahe Franken erstreckt. Im Osten erhebt sich der Hausberg, der Ahlberg, mit 496 m über NN. Urkundlich ist Wölfershausen schon 825 erwähnt als „Uulfricheshaus“. Seine Fluren grenzen an die Fluren von Bibra, Bauerbach, Ritschenhausen und Neubrunn.

Die uralte Weinstraße zwischen Thüringen und Franken schneidet ein Stück auch Wölfershäuser Flur. Der Ort gehörte früher zur Grafschaft der Henneberger. Der Dorf- und Feldzehnt war im Mittelalter Würzburger Lehen und zeitweise im Besitz der Herren von Bibra. Die Kirche war lange Zeit ein Filial von Ritschenhausen. Unter den unzähligen Truppendurchzügen im 30-jährigen Krieg hatte Wölfershausen sehr gelitten. Viele Gebäude waren abgebrannt, 1649 war der Ort „ohne“ Mensch und Vieh. Nur 4 Familien konnten sich durch die Flucht retten. Der Wiederaufbau der Kirche erfolgte 1750. Ihr ältester Teil, die Sakristei, stammt aus spätgotischer Zeit um 1530. Die Kirche steht in der Liste der denkmalgeschützten Kirchen in Thüringen, ebenso auch die Barockorgel. Das Ortsbild wird von der Kirche und Gemeindehaus geprägt. Um dieses Ensemble gruppieren sich die Häuser des eigentlichen Dorfkernes mit dem markanten Wegestein. Das noch funktionierende Backhaus wurde neu restauriert. Vom alten Brunnenhaus, nicht weit von der Ortsmitte, ist nur noch ein Bogenstein erhalten, welcher jetzt über der noch immer sprudelnden Quelle zusammen mit einer Eisenpumpe befestigt wurde. 1996 wurde die Steinbrücke, über welche die Straße zum Hinterdorf zur Trinkwasseraufbereitungsanlage führt, erneuert. Wölfershausen versorgt 35 Ortschaften mit Trinkwasser. Im ursprünglichen Besitz der Familie Wolzogen, welche Friedrich Schiller im nahen Bauerbach Zuflucht gewährte, war das sogenannte „Schlösschen“ von Wölfershausen. Später war es Gemeinde- und Zehnthaus, Schule und Lehrerwohnung. Der erste Lehrer wird bereits 1661 erwähnt. Heute ist es vorrangig Gemeindeamt, dient aber auch zu Wohnzwecken.

Die älteren Häuser sind im hennebergisch – fränkischen Fachwerk erbaut, oft später verputzt, heute zunehmend erneuert und verschönert. Teilweise wird das malerische Fachwerk wieder sichtbar gemacht. Ein kleines Neubauviertel entstand in der sogenannten „Rommenei“. In den letzten Jahren entstanden hier viele Eigenheime.

Der noch heute existierenden Dorfgaststätte „Zur Henne“ wurde schon 1674 durch Ernst den Frommen die Schankberechtigung erteilt.


WOLFMANNSHAUSEN

Der Ortsteil Wolfmannshausen liegt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen, 18 km südöstlich von Meiningen. Schon von weitem begrüßt Wolfmannshausen mit der Spitze des Echterturms der im Jahre 1616 erbauten Ägidiuskirche seine Gäste.

Erstmals erwähnt Anno 956 durch eine Schenkung des Edlen Wolmut, dem Wolfmannshausen wohl auch seinen Namen zu verdanken hat, kann es auf eine lange wechselhafte und äußerst interessante Geschichte verweisen. Vor allem auch für Freunde der Archäologie wird es von großem Interesse sein, dass genau hier 1996 ein Bodenfund für Schlagzeilen sorgte: zahlreiche Keramikscherben der Rössner-Kultur (Stempeldruckkeramik), die in die Zeit um 3000 v. Ch. einzuordnen sind, sowie Scherben der Linienbandkeramik, die in Südthüringen recht selten vorkommt.

Die Einwohner Wolfmannshausens sind überwiegend katholischen Glaubens. Da alle anderen Ort in weitem Umkreis evangelisch geprägt sind, wurde und wird Wolfmannshausen oft als katholische Enklave bezeichnet. Grund ist die Landesherrschaft des (katholischen) Fürstbistums Würzburg seit dem Mittelalter. Die Orte ringsum gehörten dagegen zum (evangelischen) Herzogtum Sachsen-Meiningen. Erst mit Staatsvertrag zwischen den Herzogtümern Würzburg und Sachsen-Meiningen von 1808 kam Wolfmannshausen an Sachsen-Meiningen. Der überwiegend katholische Glauben blieb jedoch bis heute erhalten. Erwähnenswert ist weiterhin, das Wolfmannshausen sogar zu Zeiten der deutschen Trennung dem Bistum Würzburg angehörte.

Die Ägidiuskirche ist mit einem prächtigen Hochaltar und einer wunderschönen Madonnafigur, die der Schule Tilman Riemenschneider entstammen soll, ausgestattet. Zahlreich erhaltene Apostelfiguren der alten Seitenaltäre und vor allem der sehr gut restaurierten Wandfresken aus der Zeit ihrer Erbauung geben der Kirche ihren besonderen Reiz. Sechs in der Ortsflur verteilte Bildstöcke sowie die in Sandstein gehauenen Kreuzwegstationen auf dem großzügig angelegten Friedhof laden zum Verweilen und Beten ein.